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Bei diesem Aufsatz handelt es sich um das IX. Kapitel aus
„Wirtschaft und Gesellschaft in der UFO-Falle*)
– postmodernes Leben und Handeln am Abgrund zur Neoklassik“
*)Unsicherheit, Fäulnis, Opportunismus; www.ufo-falle.de
Autor: Dietram Schneider

Zitieren und Weiterverwendung nur nach Rücksprache mit dem Autor
www.dietram-schneider.de


Nachdem in den bisherigen Kapiteln die UFO-Wucherung im öffentlichen und privaten
Raum sowie in den von institutionellen Regelungen befreiten Räumen an den Grenzen
und jenseits des Rechts im Mittelpunkt stand, zeigt dieses Kapitel die UFO-Kolonia-
lisierung des eigenen – menschlichen – Körpers. Es gibt einen Einblick in die Körper-
welten, die dem Menschen am Abgrund zur Neoklassik drohen. Die Neoklassik be-
schreibt dabei eine ökonomische Idealwelt, die ab ca. 1870 methodischen und modell-
haften Überlegungen entsprang und heute nicht selten den theoretischen Grundpfeiler
neoliberaler Gedanken und Politik bildet (vgl. Kapitel II).

IX. Auf dem Weg zur Neoklassik,
Postmoderne Körperwelten im Angesicht des homo oeconomicus
Bei der Zurichtung des Körpers des postmodernen Menschen im Angesicht des Men-
schenideals in der idealisierten Modellwelt der Neoklassik im Sinne des homo
oeconomicus handelt es sich inzwischen vermutlich um ein gesellschaftliches Massen-
phänomen, das jedoch nicht laut und öffentlichkeitswirksam, sondern eher auf subtilen
Kanälen und eher schleichend und unbewusst in die Gesellschaft einsickert. Die Folgen
dieser neoklassisch-postmodernen Körperwelten bleiben meist im privaten Mikrokos-
mos des Individuums und in kleineren sozialen Zellen verhaftet und erreichen – im
Gegensatz zu den Erscheinungen des UFO-Befalls von Institutionen und Unternehmen
(z. B. Korruption, Bestechung, vgl. Kapitel VIII) – nur selten eine öffentlich breit
gestreute oder eine publikumswirksame und skandalträchtige Aufmerksamkeit. Eine
dadurch veranlasste Unterschätzung wäre allerdings fahrlässig.
Die Perspektive des Körperlichen bietet sich für die Beschreibung und Erklärung vieler
empirischer Phänomene an. Bereits bei zahlreichen Klassikern der Philosophie fand die
„Körpersprache“ regen Anklang. Das Spektrum reicht dabei von der griechischen Phi-
losophie bis zur Philosophie der Neuzeit:1 Schon Platon interpretierte den Staat als
einen zum Einzelindividuum analog eingerichteten „Organismus“. Aristoteles sprach
vom „Volkskörper“. Hobbes interpretierte den Staat als „künstlichen Menschen“ und
die Diener und Beamten des Staates als „Organe“. Rousseau sah in der Ökonomie das
„Herz“ des Staates und die öffentlichen Finanzen als sein „Blut“.2
Staaten, Ministerien, Gerichte, Militär, Polizei, Universitäten, Hoch-, Haupt- und Grundschulen, Unternehmen, Verwaltungen usw. werden auch umgangssprachlich – im Alltagsgespräch ebenso wie in der politischen und gesellschaftlichen Auseinander-setzung sowie in der Sprache des Managements – oft in Metaphern des Körpers be-schrieben und im Hinblick auf ihr Funktionieren erklärt: hier die Zentrale (das Gehirn), hier die Nervenstränge (die Kommunikationskanäle), dort die Versorgungsnetze (der Blutkreislauf) und dort die Ausführungsorgane (die Muskeln und Extremitäten). Nicht selten trifft diese künstlichen Körper und ihre Organe in diesen Tagen der Vorwurf, sie wären träge, lahm, fett und krank. Für alle diese künstlichen Körper lautet deshalb die vielstimmige Heilsbotschaft der feurigen Antreiber und applaudierenden Mitläufer am Abgrund zur Neoklassik, dass sie fit gemacht, entschlackt, abgespeckt, verschlankt und zu olympiareifen Kadern geschliffen werden müssen. Erst dann, so das allseits ange-stimmte und weithin hörbare Leitmotiv, wenn die so zugerichteten Körper in die ideali-sierten Maßanzüge der neoklassischen Produktionsfunktionen passen, jede noch so kleine Fettablagerung abgesaugt und jede potenzielle Störungsquelle beseitigt würden, könnten sie die zukünftigen und immer härteren Herausforderungen der marktlichen und inzwischen globalisierten Selektionsmuster meistern. Für den menschlichen Körper gilt das in gleicher und im Angesicht des homo oecono-micus in besonders nachdrücklicher Weise. Erinnern wir uns, der homo oeconomicus als idealisiertes Menschenbild in der Kunstwelt der Neoklassik ist ein einsamer egois-tischer Jäger, kennt weder Liebe noch soziale Beziehungen, er ist pausenlos aktiv, arbeitet an sieben Tagen in der Woche und täglich 24 Stunden, ist aber trotzdem nie krank, er ist immer auf seinen Vorteil – auch zum Schaden anderer – aus, handelt dabei stets rational, ist höchst flexibler Anpasser und gefühlskalter Automat, der kleinste Ver-wertungsgelegenheiten aufspürt und zu seinem eigenen Nutzen ausschlachtet. Ideali-siert und damit zugleich menschlich herabgemindert übernimmt der homo oeconomicus als unerbittlicher Türsteher die Durchgangskontrolle zur Neoklassik. Dort winkt er nur seinesgleichen durch – schließlich kennt der Eingangscode der Neoklassik nur wohlde-finierte Wirtschatssubjekte in Form des homo oeconomicus. Für seinen Körper gelten die gleichen Konsequenzen wie für die künstlichen Körper. Um reibungslos zu funktio-nieren, benötigt die von störenden Ineffizienzen befreite Produktionsfunktion entspre-chend gereinigte, glattpolierte menschliche Körper als Inputfaktoren. Nur derart ge-stylte und idealtypisch geformte und genormte Körper sind fähig, den funktionalen Apparat in Schwung zu halten und für die anderen in der Produktionsfunktion einge-spannten Körper kompatibel, stimulierend und attraktivierend zu wirken. Auch als tauschendes Subjekt kennt die Fiktion des neoklassischen Totalmarktmodells nur wett-bewerbsfähige Individuen in der ökonomisch anpassungsfähigen Körperform des homo oeconomicus – sowohl als Käufer als auch als Verkäufer. Irrational-emotionale Grüb-ler, körperlich-geistige Schwächlinge, starrhalsig-unflexible Charaktere oder dem (Schönheits-) Ideal nicht entsprechende Un- und Antikörper müssen daher schon am Abgrund zur Neoklassik identifiziert, selektiert, in die neoklassischen Vorhallen zu-rückgeschickt oder bei Aussicht auf schnelle Besserung in einem der vielen Auffang-lager nachjustiert werden. Denn in der Neoklassik angekommen, hätten sie sowieso keine Überlebensberechtigung und -chance. Die Neoklassik ist schließlich frei von Institutionen, entkernt von Gesetzen, Normen, Moral, sozialen Einrichtungen und cari-tativen Non-Profit-Organisationen („institutionelles Vakuum“), unter deren schützende Fittiche neoklassische Un- und Antikörper fliehen könnten. Sowohl die noch lebenden Un- und Antikörper als auch ihre Leichen wären Sand im geschmierten Tauschgetriebe und Sperrklinken im maschinenhaften Produktionsapparat der Neoklassik. Deshalb müssen sie schon in den unerbittlichen Sortieranlagen, die am neoklassischen Abgrund aufgestellt sind, abgefangen werden. Hier schließt sich der Kreis zu den (post-) moder-nen und sozialräumlich abgeriegelten Klassen, den gated communities und den davon abgegrenzten Resträumen, in denen neoklassische Un- und Antikörper ihr Dasein fris-ten: Bauch, Wampe, Sportlichkeit, Fitness, Mitgliedskarte im Bodystyle-Club und der gekonnte Umgang mit den Produkten der Körpermärkte sind inzwischen längst zu zu-verlässigen körperästhetischen und -kosmetischen Sortierkriterien für die verlässliche Zuordnung zu sozialen Klassen mutiert. Diese bilderreichen Darstellungen mögen eine futuristische Scheinwelt im Stile von Science-Fiction-Romanen inszenieren. Allerdings wäre dann auch die Neoklassik nicht als basales ökonomisches Leitmotiv des neoliberalen Sturmes, sondern ebenfalls als Science Fiction zu qualifizieren. Nachdem das neoklassische Welt- und Menschenbild aber nach wie vor – und scheinbar immer mehr – die unumstößliche Grundlage und die willkommene Rechtfertigung für politisches, gesellschaftliches, wirtschaftliches und (zwischen-) menschliches Agieren und Reagieren bildet, muss man auch die am bitte-ren Ende sich abzeichnenden Konsequenzen ebenso zu Ende denken und kritisch re-flektieren. Und trotz der Warnungen wird es wieder heißen „das haben wir nicht ge-wusst“ und „das haben wir so nicht gewollt“. Einer kritischen Perspektive, die ihren Blick von diesen futuristischen und finalen Kon-sequenzen der Neoklassik zurück auf die vorgelagerten Entwicklungsprozesse richtet, erscheinen plötzlich vielfältige Belege für die Zurichtung des menschlichen Körpers nach dem skizzierten Ideal des homo oeconomicus: - Die postmodernen Auffanglager, in denen die menschlichen Körper auf ihre Nach- justierung hoffen, entpuppen sich in ihrer harmlosesten Ausprägung zunächst als Stätten der Körpererhaltung und -ertüchtigung. In zunehmender Ermangelung na-türlicher Körperbetätigung entlang der zivilisatorischen Befreiung von körperlicher Anstrengung wird heute abgeriegelt von der Natur und gegen Eintrittsgeld in Well-ness-Centern, Fitness-Studios und Krafträumen, die nicht selten an mittelalterliche Folterhöllen erinnern, zunächst ausgiebig geschwitzt, gestrafft und aufgemuskelt. Vorher, gleichzeitig und/oder nachher unterziehen allerlei technische Apparate und speziell ausgebildete und häufig vorbildgebende Trainer die Körper der Aspiranten unterschiedlichsten Überwachungsprozeduren, Messungen und Vergleichen, um den Abstand zu einem Anstrengungslimit und zu einem Körperideal zu ermitteln und diesem gleichzeitig möglichst nahe zu kommen. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um ein subjektives oder objektives Ideal handelt, Hauptsache Mann und Frau machen Fortschritte und können beim Streben nach Körpererhal-tung und -ertüchtigung erkennbare Erfolge verbuchen. Was früher nur besonderen Randgruppen (z. B. Gladiatoren, Hochleistungssportlern, Flugzeugpiloten, Astro-nauten, Soldaten, Mitgliedern von Sondereingreiftruppen) vorbehalten war, hat sich inzwischen zur Massenbewegung entwickelt. Selbst bei kritischer Betrachtung ist hiergegen zunächst nichts einzuwenden. Körpererhaltung und -ertüchtigung sind letztlich naheliegende und wahrscheinlich unbewusste Ausläufer eines angeborenen menschlichen Selbsterhaltungstriebes, der sich u. a. in der aktiven und eigenverant-wortlichen sportiven Gesundheitsvorsorge äußern kann. Auch darüber, dass Well-ness-Center und Fitness-Studios in ihrer Werbung mit idealen Körpern wuchern, mit den allseits bekannten und in Prospekten gerne gezeigten Bildern von Vorher-Nachher-Körpern ködern und auf typische Problemzonen aufmerksam machen, wo- mit dem Adressaten die Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit des eigenen Kör-pers schleichend bewusst gemacht wird, könnte man angesichts der ständigen Kon-frontation mit Werbung für körpererhaltende und -ertüchtigende Produkte hinweg-sehen. Gleiches mag noch für den Umstand gelten, dass es sich dabei häufig um höchst profitable Geschäftssysteme handelt, die nicht selten körperliche Illusionen wecken und verkaufen, die jedoch den nur allzu oft scheiternden Menschen ange-sichts seines mangelnden körperlichen und geistigen Durchhaltevermögens ent-täuscht zurück lassen. Auf der anderen Seite wird damit jedoch ein neoliberaler Zeitgeist bedient, der nach der Privatisierung von Sicherheit und Bildung nun auch die Privatisierung der Gesundheit durchzusetzen beginnt. Er gipfelt darin, sein Le-ben wie ein Unternehmen und am besten in der so genannten Ich-AG zu führen. Gesundheit und Krankheit sind nicht mehr Ergebnisse biologischer Schicksale, sondern sie sind Resultate der eigenen Körperverantwortung, der geschickten indi-viduellen Aufgabenbewältigung, der persönlichen Leistung, der eigenen Führung und der eigenen (Zukunfts-) Investitionen in die Ich-AG. Der Mensch wird Agent seines eigenen Körpers, was ein cleveres und rationales Körpermanagement und die Ausschau nach und die Nutzung von Auf- und Verwertungsmöglichkeiten bedingt. Und Krankheit entwickelt sich zum zweifelsfreien Indikator dafür, dass man dabei offensichtlich versagt hat. Schöne Körper, Gesundheit und Fitness signalisieren da-gegen Leistungswilligkeit, Leistungsfähigkeit und Erfolg. Im Kampf um einen Job entscheiden nicht nur Ausbildung, Erfahrung und Eloquenz usw., sondern immer mehr auch die reine Optik des menschlichen Körpers.3 Ein solches Körperbewusst-sein hat sich inzwischen zu einem generationenübergreifenden Phänomen ent-wickelt. So darf der bisweilen aufkommende Eindruck nicht verwundern, dass – vor allem finanziell gut situierte und der oberen Mittelschichtklasse angehörende – Eltern ihre nicht immer talentierten und mitunter wenig motivierten Kinder über mehrere Sportarten hinweg mit den technisch besten Sportgeräten und der neuesten Sportbekleidung ausrüsten und von Training zu Training und von Wettkampf zu Wettkampf hetzen – aber auch mit der gebotenen und gleichzeitig zugemuteten Vielfalt ihre Kinder überfordern, bei jeder der vielen Sportarten immer nur an der maskierten Oberfläche bleiben und trotz des hohen Einsatzes in vielerlei Hinsicht kindliche Verlierer produzieren. Die durch eine inzwischen ausgeprägte Fitness-ideologie4 propagierten Körper- und Lebensstile setzen überdies meist „. bestens gesicherte Einkommensverhältnisse voraus. Wer sich in der Marktkonkurrenz durchsetzen und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein möchte, hat in eigener Ver-antwortung und unausgesetzt Gesundheit, Leistung wie Fitness zu optimieren. Wer dies freilich nicht (mehr) schafft, gehört unweigerlich zur Gattung der auf dem Arbeitsmarkt schwer Vermittelbaren“.5 Darüber hinaus bilden Körpererhaltung und -ertüchtigung nicht selten die Einstiegsdroge für weitere, weniger harmlose körper-liche Nachjustierungen, und die Grenzen zu Körpermanipulationen und -korrektu-ren sind ohnehin fließend. - Wo Körpererhaltung und -ertüchtigung nicht mehr ausreichen, um körperliche Fit- ness- und Schönheitsideale im Angesicht des homo oeconomicus zu erreichen, bie-tet das bunte Arsenal an Körpermanipulationen und -korrekturen einen Ausweg. Das Spektrum reicht hier von der Einnahme von Vitaminen und Hormonen, Kon-zentrations-, Aufputsch- und Dopingmitteln über Piercing, Tatooing (Körperbebil-derung) bis zu plastisch-chirurgischen Körperkorrekturen. Letztere haben sich nach Auffassung von Psychologen in den westlichen Industriestaaten längst zu einem Massenphänomen entwickelt, das Frauen und Männer gleichermaßen erfasst hat; in Deutschland gehen Schätzungen von 500.000 kosmetischen Operationen pro Jahr aus, in den USA liegt die Zahl der jährlich registrierten Fälle bei rund 1,3 Mio.6 Da-bei geht es nicht um medizinisch erforderliche bzw. lebenserhaltende Eingriffe, sondern um chirurgische Körperkorrekturen, die aus Gründen der Schönheit und der so genannten Selbstinszenierung durch „self-empowering“, „embodiment“ und „körperliche Maskerade“ vorgenommen werden.7 Die Schönheitschirurgie ist nach Meinung von Experten zu einem festen Lebensbestandteil des Menschen geworden und verzeichnet einen verstärkten Zulauf von immer jüngeren Patienten.8 Zusam-men mit den verschiedenen Angeboten für die Körpererhaltung, und -ertüchtigung hat vor allem das vielfältige Spektrum an Körpermanipulationen und -korrekturen eine gigantische Körperindustrialisierung mit ergänzenden Körpermärkten etabliert. Sie bieten inzwischen beinahe jedem körperlichen Wunsch ein geeignetes Produkt zu seiner Befriedigung – und umgekehrt, die angebotenen Produkte suggerieren, dass beinahe jeder körperliche Wunsch erfüllbar wäre. Körperliche Erscheinung und Entwicklung reduzieren sich am postmodernen Abgrund zur Neoklassik auf ein Problem der Auswahl geeigneter Körperprodukte auf den immer reichhaltiger ge-deckten Warentischen der Körpermärkte. Das Vorbild des neoklassischen Alternati-venauswahlkalküls – jedoch in unheilvoller Mixtur verbunden mit der kognitiven Dissonanz-Pandemie (vgl. Kapitel VII) – steht dabei Pate. „Nase zu lang? Bauch zu schwabblig? Hintern zu dick? Brüste zu klein? Penis zu kurz? Kein Problem. An der Nase wird ein Stück Knorpel entfernt, das Fett am Po wird abgesaugt, die Brüste werden mit Silikonpolstern auf Modeformat gebracht, der Waschbrettbauch wird mit Hilfe des Skalpells richtig definiert, der Penis kann verlängert werden.“9 Ergänzend bietet sich die Einnahme von allerlei Mixturen zur physischen und psy-chischen Körper- und Geiststimulierung an (Viagra, Propecia, anabole Steroide, Halluzinogene usw.). Zusammen mit Miniaturisierung, Nanotechnologie, Vitamin- und Hormonpräparaten und im Körper ausgesäten lebenden Implantaten lässt sich damit der Körper nicht nur von außen nach innen, sondern inzwischen vor allem auch von innen nach außen bearbeiten. Und vielleicht lassen sich ja schon vor der Körperwerdung im Körper der schwangeren Frau die Stammzellen des werdenden Kindes derart verändern, dass sich das gewünschte Ergebnis einstellt. „Radikalisiert man diese Idee, könnte man die Zukunft des Dopings im Retortenathleten sehen, der durch Genmanipulation nach Plan entsteht und der den Rekord aus der Retorte realisiert. Das System . hätte dann per biotechnologischer Körperindustrialisierung den High-Tech-Gladiator hervorgebracht. Die heute noch vorwiegend externe Kör-pertechnologisierung wäre dann durch eine interne Körpertechnologisierung voll-endet“.10 Plattformstrategie, Modularisierung, Gleichteileverwendung, Ferndiagno-se, telematische Systemüberwachung, internes Fehlerfrüherkennungsmanagement, automatisierte Lenkunterstützung und -eingriffe und computergesteuerte Bremshil-fen und -korrekturen aus der ausgereiften Automobilindustrie erscheinen als nach-ahmenswerte Vorbilder und Ideengeber für die heranwachsende Körperindustrie. Jedenfalls unterscheiden sich die aufgestylten Hochglanzbroschüren von plastisch-chirurgischen Kliniken von den allgegenwärtigen Automobil- und Autohaus-prospekten nur noch durch das jeweilige Objekt. An den vollgestopften Wühlti-schen der etablierten Körpermärkte drängeln sich die durch Bodymanie, Körper-kult, Schönheitswahn und das kosmetische Körperstyling angesteckten Nachfrager auf der gnadenlosen Jagd nach ewiger Jugendlichkeit, sportivem Image, körperli-cher Fitness, geistiger Rüstigkeit, perfektem Outfit, gentechnischer Optimierung und äußerlicher wie innerlicher Körperästhetik, die ihnen der massenmedial unter-stützte Mainstream der körperlichen Ideale vorgibt. - Im Rahmen der Körpermanipulationen und -korrekturen kommt dem Gesicht der Menschen eine entscheidende Bedeutung zu. Dies betonen auch die Vertreter der Schönheitschirurgie. Sie verweisen auf die Wünsche ihrer Klienten nach einem vi-talen und optisch guten Aussehen aus Wettbewerbsgründen – z. B. bei der Stellen-suche oder beim Kampf um den Aufstieg – und heben dabei die besondere Stellung des Gesichts hervor.11 In einem im Frühjahr 2002 an der Universität Regensburg durchgeführten Forschungsprojekt, erzeugten die Wissenschaftler anhand eines Computerprogramms für Frau und Mann jeweils das ideale Gesicht. In mehreren hintereinandergeschalteten Teiluntersuchungen ermittelten die Forscher, was ein menschliches Gesicht attraktiv macht und was nicht. Dabei konnten die 500 beur-teilenden Versuchspersonen aus 64 Frauen- und 32 Männergesichtern, die mittels Computeranimation immer mehr verfeinert und – wie die Forscher es nannten – technisch „veredelt“ wurden, so lange aus eingespielten virtuellen Gesichtsversio-nen auswählen, bis die sukzessiven Gesichtsverbesserungen das ideale Frauen- und Männergesicht ausspuckten. Interessant sei, so ein mitforschender Psychologe, dass bei diesem Gesichterexperiment die attraktivsten Gesichter in der Realität nicht existieren, sondern nur per Computeranimation auf dem Bildschirm künstlich ent-wickelbar waren. Interessant – allerdings vor dem Hintergrund der neoklassischen Einfalt in der Vielfalt in Verbindung mit der neoklassischen Homogenisierungsten-denz nicht überraschend – erscheint darüber hinaus die hohe Ähnlichkeit zwischen dem attraktivsten Frauen- und dem attraktivsten Männergesicht.12 Das ideale Frauengesicht weist lediglich etwas gepflegtere Lippen, etwas höhere Wangenkno-chen und eine marginal schmalere Nase auf, während das ideale Männergesicht ein geringfügig markanteres Unterkiefer besitzt. Ohne diese minimalen Unterschiede könnte ein Betrachter der zwei veröffentlichten Idealgesichter durchaus von einer extremen „Gesichtsidentität“ zwischen den Optimalgesichtern beider Geschlechter ausgehen. Gleiches gilt für die (ebenfalls veröffentlichten) so genannten „Prototy-pen unattraktiver Frauen- und Männergesichter“. Sie sind jeweils etwas rundlicher als die Idealgesichter geformt, entsprechen jedoch dem europäischen Durchschnitts-gesicht und fallen – nach Geschmack des Autors und einiger befragten Probanden – durchaus ansehnlich aus.13 Dieses Ergebnis kann Wasser auf die Mühlen geschäfti-ger Promotoren kosmetischer Gesichtschirurgie sein, suggeriert es doch, dass ein (scheinbar) unattraktives Durchschnittsgesicht durch kleinere chirurgisch-ästheti-sche Veränderungen und durch etwas Gesichtsschminke ohne größere Umwege in ein höchst attraktives menschliches Idealgesicht umformbar und umgestaltbar ist. Erstaunlicherweise war der mitforschende Psychologe überrascht über die Deckungsgleichheit der Zuordnung von gesichtsspezifischen und geistig-sozialen Adjektiven durch die beurteilenden Testpersonen. Danach korrespondiert ein un-attraktives Gesicht (im Gegensatz zum Idealgesicht) – egal ob Frauen- oder Män-nergesicht – in der sozialen Wahrnehmung der Beurteiler meist mit negativen Ad-jektiven wie „faul“, „dumm“, „einfallslos“, „langweilig“ und „ungesellig“. Auf Ba-sis der bislang anhand der Körperwelten im Angesicht des homo oeconomicus abgeleiteten Konsequenzen ist ganz klar, dass körperliche und gesichtsbezogene Unattraktivität mit solchen negativen Adjektiven korrespondieren muss, während gesichts- und körperbezogene Schönheit und Attraktivität mit positiven Adjektiven wie „intelligent“, „kreativ“, „weltoffen“, „smart“, „leistungsfähig“ und „erfolg-reich“ einherzugehen hat. Im 16. Jahrhundert war den an Syphilis erkrankten Men-schen durch die „syphilitisch“ eingefallene Nase und ihr dadurch erkennbares un-moralisches Handeln buchstäblich ins Gesicht geschrieben, weshalb sie, wenn es ihre finanzielle Stellung erlaubte, nicht selten versuchten, sich durch operative Ein-griffe von der Stigmatisierung zu befreien.14 Bekannt sind auch die vielfältigen „Nose- und Facejobs“, die u. a. von Juden und Einwanderern bei Schönheitschirur-gen in Auftrag gegeben wurden (und vermutlich immer noch werden), um ihre Ras-sen- und Klassenzugehörigkeit durch Nasen- und sonstige Gesichtsoperationen zu vertuschen. Wenn nun auf Basis der Ergebnisse der Wissenschaftler aus Regens-burg eine enge Korrelation zwischen Gesichtsform und geistig-sozialen Eigenschaf-ten besteht, scheinen dem postmodernen Menschen Faulheit, Dummheit, geistige Minderwertigkeit usw. ebenso wie Intelligenz, Kreativität, Erfolg usw. wie Wund- und Muttermale ins Gesicht geschrieben – wie damals (und heute noch) Syphilis, Unmoral und Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Die enormen Fortschritte in der ästhetisch-kosmetischen Gesichtschirurgie scheinen hierfür endlich Abhilfe leisten zu können. Sie erlauben es heute immer mehr, den Menschen in den am Abgrund zur Neoklassik in steigender Anzahl errichteten Körper- und Gesichtsanpassungs-anstalten negative geistig-soziale Attribute aus dem Gesicht herauszufräsen und nach dem Idealmuster des homo oeconomicus Intelligenz, Fleiß, Kreativität, Erfolg und sonstige positive Charaktereigenschaften in das menschliche Gesicht hineinzu-operieren und anschließend aufzupolieren. Auch der Umkehrschluss ist delikat: Ob es in diesem Prozess zukünftig als sinnvoll erachtet wird, den unter Umständen schon in Kindergärten und Grundschulen als weniger begabt auffallenden Kindern durch Gesichtschirurgie runde und unattraktive Gesichter zu verabreichen, um sie später durch schnelle und oberflächliche Zuordnung in die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verwertbarkeitsstufen sortieren zu können (Dienstklasse, Verwer-tungsklasse, Cadres, global ruling class usw., vgl. dazu Kapitel VII), kann am neo-klassischen Abgrund nicht ausgeschlossen werden. - Eine besondere Rolle auf den Körpermärkten spielt inzwischen das so genannte Anti-Aging.15 Als Sammel- und Oberbegriff für alle Maßnahmen gegen das Altern entfaltet sich das Anti-Aging einerseits als ein zentraler Treiber von Körpererhal-tung, -ertüchtigung, -manipulation und -korrektur. Andererseits emanzipiert sich das Anti-Aging zunehmend von ästhetisch-kosmetischen Körpermaßnahmen und entwickelt sich immer mehr zu einer weitgehend selbständigen medizinischen Dis-ziplin.16 Anti-Aging-Maßnahmen konzentrieren sich weniger auf Menschen mittle-ren oder höheren Alters, sondern sollten nach Meinung ihrer Promotoren möglichst früh starten. Die plausiblen Gründe liegen u. a. darin, dass sich altersbedingte Er-krankungen und Sterbeursachen (z. B. Altersdemenz, Arthrose, Osteoporose, Arte-riosklerose, Schlaganfall) über mehrere Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg herausbilden und im menschlichen Körper schon früh ihre zerstörerischen Wurzeln legen. Außer-dem kann ein ausschweifendes Leben in der Überflussgesellschaft den Alterungs-prozess verstärken, weil der Körper dadurch zusätzlichen Belastungen ausgesetzt ist (z. B. Rauchen; Trinken; Abbau von Pestiziden und Insektiziden, die häufig in tra-ditionellen und modernen Lifestyle-Nahrungsergänzungsmitteln gefunden werden; Bildung so genannter freier Radikale, die nicht abgebaut werden und oxidativen Stress verursachen). Anbieter von Anti-Aging-Diensten und -Produkten weisen da-her auf ein vielfältiges Spektrum an „ersten Anzeichen von Alterungsvorgängen“ hin:17 Leistungsknick, mentale Antriebsprobleme, depressive Verstimmung, Abfall der kognitiven Leistung (vielleicht kognitive Dissonanz?), Konzentrations- und Aufmerksamkeitsmängel, Nachlassen von Libido und Potenz, Gewichtszunahme, Muskelkraftabnahme, Hautfalten. Und wer in dieser umfassenden und einfangen-den Liste noch nichts geeignetes findet, dem kann mit dem ganzen Arsenal an dia- gnostischen Maßnahmen, das nach der Aufzählung der „ersten Anzeichen“ folgt, auf den Leib gerückt und auf die Sprünge geholfen werden. Dort ist zu lesen von Fragebögen zur ganzheitlichen Erfassung des körperlichen und geistigen Zustan-des, psychologischen Tests, Lifestyle-Analysen, Messungen der Körperzusammen-setzung (Bioimpedanz), Ermittlung des Bodymaßindex18, Bestimmung der Herz-Kreislaufkapazität, Beurteilung der Lungenfunktion, Bestimmung der Knochen-dichte „und noch vieles andere mehr“. Der Türsteher vor den Eingangstoren zur Neoklassik, der homo oeconomicus, erhält hier zahlreiche Ideen für körperbezo-gene Prüfungen, die er den wartenden Aspiranten im Zuge des Antragsverfahrens für den Einlass in die neoklassische Welt abverlangen könnte. Die einen zahlen ihren Schleppern ihr letztes Geld für eine illegale Einreise in das gelobte Europa, die anderen zahlen für den Einlass in die neoklassische Körperwelt. Lässt man die-sen kaum zurückhaltbaren Anflug an Polemik beiseite, dann handelt es sich beim Anti-Aging genau betrachtet und durch die Brille der Neoklassik besehen um den Versuch, den Körper langfristig in der Position des gegenwärtigen Zustandes zu halten. Wenn er sich schon nicht oder nur marginal Richtung Vergangenheit bzw. vergangener Jugendlichkeit rücken lässt, dann muss es zumindest möglichst früh gelingen, ihn vom weiteren Abrutschen in die Zukunft zu bewahren, denn dies würde biologische Alterung bedeuten. Diese gegenwartsorientierte Konservierungs-strategie findet ihre Korrespondenz in der Neoklassik, in der zeitpunktbezogene Gegenwartsbetrachtungen von prozessualen Zeitraumbetrachtungen und der Ver-schränkung der Gegenwart mit der Vergangenheit und der Zukunft abstrahieren. Dass die damit verbundenen Anstrengungen in der schrittweisen Herausbildung eines umfassenden und marktlich verwertbaren Produktspektrums und profitablen Geschäftssystemen beiträgt, ist dabei eine logische Konsequenz. Über die langen Sortimentslisten, mit denen man in den „Krieg gegen das Altern“ ziehen kann, geben die Anti-Aging-Anbieter, die meist als „Full-Service-Provider“ auftreten, eingehend Auskunft: Enzyme, Hormone und Vitaminpräparate, aerobes Training, Gedächtnisschulungstrainings, Hirnfunktionsstimulierungsprogramme, Nahrungs-ergänzungstherapien, Vitalstoffe; darüber hinaus findet man – wenn das alles nicht reicht – den unverblümten Hinweis auf die „. Möglichkeiten einer ästhetischen Kosmetik oder Chirurgie zur Optimierung des äußeren Erscheinungsbildes."19. Weil diese Anti-Aging-Maßnahmen mit ihren Summationseffekten zusammen mit den vielen Methoden der Früherkennung für die Kunden eine enorme Komplexität auslösen, steht ihnen ein „Gesundheits- und Anti-Aging-Manager“ zur Seite, der bei der optimalen Dosierung und der Vermeidung von Therapierisiken sowie der Entwicklung des neuen Body-Lifestyles hilft. Insgesamt kann dies alles dazu bei-tragen, sich so lange über die Zeit zu retten, bis die Anti-Aging-Pille auf den Markt kommt, an der bereits amerikanische und deutsche Forschungsteams arbeiten.20 Sicher, wenn man schon nichts dagegen haben kann, soll und darf, das Leben durch Pillen zu unterdrücken oder abzutöten, so ist es noch schwerer, etwas gegen die Pille gegen das Altern einzuwenden. Diese wenigen Hinweise auf die postmodernen Körperwelten reichen aus, um die innere Verwandtschaft zu den bereits beschriebenen Entwicklungen entlang des neo-klassischen Abgrundes zu verdeutlichen (vgl. Kapitel II, III und IV). So wie Unter-nehmen und sonstige Organisationen im sich verschärfenden Wettbewerb Vorteile ge-genüber Konkurrenten zu erzielen beabsichtigen, so versucht auch der Mensch im neo-klassischen Nivellierungssog immer hysterischer, sich insbesondere durch image-, gel- tungs-, identitäts- und differenzschaffende Produkte, mit denen er sich schmückt und über die er sich zu reproduzieren versucht, im Wettbewerb zwischen den Menschen po-sitiv abzuheben und Erstmaligkeit und Einmaligkeit zu produzieren. Dass hierfür nun auch der eigene Körper als willkommene Mobilisierungsreserve und Wettbewerbsfak-tor in das Blickfeld gerät, zeigt das – bewusste oder unbewusste – enthemmte Streben der Nachfrager und Anbieter auf den Körpermärkten, alle erdenklichen Nischen zu kolonialisieren. Nach den räumlichen Begradigungen und auf dem Reißbrett gezogenen Grenzenlinien in der Kolonialzeit, die manche Narben hinterlassen haben und immer wieder aufreißen, folgt nun die Kolonialisierung des menschlichen Körpers: körper-liche Begradigungen, Glattbügeln und Aufpeppen der Körpergrenzen, Verlöten der Narben und die Optimierung der körperlichen Innereien. Hierbei sind zwei Tendenzen zu erkennen.21 Einerseits könnte darin eine Rückbesin-nung auf den eigenen Körper gesehen werden. Als „letzter Hort“ von Authentizität und Identität könnte er zum inneren Ruhepol und sicheren Schutzbunker gegen die immer beschleunigtere, mehr und mehr ökonomisierte und stressgeplagte Welt da draußen die-nen. Dies haben auch die diversen Anbieter auf den verschiedenen Körpermärkten ent-deckt und machen ihren (potenziellen) Kunden derlei Verspechungen. Auf der anderen Seite – und dies ist die zukünftig vermutlich durchschlagende Tendenz – kommt darin die Formel vom „Körper als Projekt“ der menschlichen Gestaltungs- und Konstruk-tionskraft zum Ausdruck. Neuroth, selbst Schönheitschirurg, warnt davor, dass die Me-dien (Magazine, Zeitschriften und OP-Sendungen im Fernsehen usw.) „. die schönsten Menschen mit Pfeilen und Preisen vorstellen und suggerieren, man könne sich diesen Körper einkaufen“22. Der „Körper als Projekt“ und die Suggestion des „Körperkaufs“ sind genau betrachtet Folge und zugleich Quelle von Beschleunigung, Ökonomisierung und Stress. Daher entpuppt sich der erhoffte sichere Schutzbunker für Authentizität und Identität nicht selten als deren ebenso sichere Grabstätte. Denn zugespitzt formuliert zeigt sich hier ein wettkampfmäßiges Ringen um die Inszenierung des postmodernen Selbst mit Biotechnik und Skalpell, ein genetisch-chirurgisches Maßschneidern von perfekten Menschenkörpern23 und in Anlehnung an Freud die Fiktion des mensch-lichen Prothesengottes.24 In Erinnerung kommt dabei unweigerlich die Anwendung des Maschinenbildes auf den menschlichen Körper bei Descartes und schließlich – und ver-mutlich auf Descartes, die Physiokraten und Newton basierend – ein mechanistisches Menschenbild, das in der nationalökonomischen Theoriegeschichte zahlreiche Men-schen-Maschinen-Metaphern hervorgebracht und den Menschen spätestens in der Neo-klassik endgültig zum austauschbaren, analytisch-mathematisch definier- und formba-ren Objekt und Automaten degradiert hat.25 Je mehr sich der Körper vom Unantastbaren, Heiligen, Naturgegebenen, Schicksalshaf-ten und Geworfenen zum maschinenhaft Entwerfbaren, Konstruierbaren, Machbaren und jederzeit Veränderbaren entwickelt, um so weniger ist er einzigartiges Geschenk der Natur oder eines Schöpfers, sondern machbares Objekt und Produkt. Der Körper des Menschen wird dann vom Menschen „gemacht“, aber was der Mensch machen kann, kann er auch zerstören. Bei diesen Gedanken finden wir auch Ratzinger auf unse-rer Seite: „Der Mensch wird zum Produkt, und damit verändert sich das Verhältnis des Menschen zu sich selbst von Grund auf. Er ist nicht mehr ein Geschenk der Natur oder des Schöpfergottes; er ist sein eigenes Produkt. Der Mensch ist in die Brunnenstube der Macht hinuntergestiegen, an die Quellorte seiner eigenen Existenz. Die Versuchung, nun erst den rechten Menschen zu konstruieren, die Versuchung, mit Menschen zu ex- perimentieren, die Versuchung, Menschen als Müll anzusehen und zu beseitigen, ist kein Hirngespinst fortschrittsfeindlicher Moralisten“.26 Vor der von Ratzinger befürchteten Machbarkeit und endgültigen Zerstörung des Kör-pers steht allerdings dessen Einförmigkeit. Denn je mehr sich der Mensch unter dem Druck des körperlichen Mainstreams vom Ballast der körperlichen Unzulänglichkeiten befreien muss und kann, desto mehr werden menschliche Körper standardisiert und normiert.27 Damit hat das Menschenklonen unterschwellig längst begonnen und muss nicht darauf warten, bis endlich der genetische Durchbruch kommt, der einige Jahre später wahrscheinlich den begehrten Nobelpreis bringt. Dem eindimensionalen Mensch von Marcuse28 droht schon jetzt ein eindimensionaler Körper und der (körperliche) Be-stätigungstod an der neoklassischen Betonwand. Selbstverständlich werden die wachen Trendsetter, die marktnahen „Lead Body User“ und die mit überlegenen Frühwarnmechanismen ausgerüsteten Vertreter der global (ru-ling) class die latente Einförmigkeits- und Bestätigungsgefahr für den Körper erkennen. Und je höher und näher sie erscheint, desto schneller und im wahrsten Sinne des Wor-tes gewaltiger erfolgt die nächste Aufrichtung optimierter Körperidole und desto stär-ker, hysterischer und kurzzyklischer entfaltet sich wieder der Drang, den Einebnungs-, Konformitäts- und Abwertungseffekten durch die Erreichung dieses noch schöneren, besseren, flexibleren usw. Körpers zu entfliehen. Die immer wieder neu und auf einem höheren Niveau anzulegenden körperlichen Normierungs- und Standardisierungsvor-schriften hält das Menschenbild des homo oeconomicus bereit, dessen Körper- und Menschenideal vermutlich ebensowenig erreichbar ist wie das neoklassische Nirwana. Menschliche Körper können und müssen daher immer noch schneller, flexibler, anpas-sungsfähiger, fitter, intelligenter, rollenverträglicher, fleißiger, stärker, leaner usw. wer-den und all denjenigen Selektionskriterien immer noch genauer entsprechen, die im gnadenlosen Kampf um den glorreichen Einzug in die ökonomische Idealwelt der Neo-klassik das nackte Überleben sichern. Ein kritischer Vergleich einer nüchternen Stellen-anzeige vor zwanzig Jahren mit der überbordenden Attributflut heutiger Stellenanzei-gen bietet hierfür ein interessantes Anschauungsmaterial. Zwangsläufig tritt damit die Vernichtung echter, ursprünglicher und angeborener Authentizitäten und Identitäten ein – auch und gerade dann, wenn sie um so heuchlerischer und opportunistischer vorge-täuscht und fassadenhaft aufgerichtet werden. Auf den Körpermärkten werden sie immer mehr der am Abgrund zur Neoklassik wuchernden künstlichen, ökonomisierten, industrialisierten und letztlich UFO-getriebenen Authentizitäts- und Identitätsmaschi-nerie geopfert. Es setzt sich fort, was im zunächst eher schleichenden und langatmigen Prozess der Zivilisierung des Naturkörpers begonnen wurde, nämlich eine evolutionäre Entwicklung zur anhaltenden Entnatürlichung, Mechanisierung, Didaktisierung, Thera-pierung und Rationalisierung des menschlichen Körpers.29 Der Unterschied liegt heute lediglich darin, dass sich – ermöglicht durch wissenschaftliche Fortschritte und sozio-kulturell eingehüllt durch einen begünstigenden Lifestyle und neoliberaler Körper-kulte30 – dieser Prozess inzwischen in viel dramatischer und zeitlich geraffter Weise vollzieht und im neoklassischen Vorhof völlig enthemmt, bis die letzten natürlichen Überreste des menschlichen Körpers endgültig von der Bildfläche verschwinden. Die Kette von Körpererhaltung und -ertüchtigung über Körpermanipulation und -korrektur bis zur Körperindustrialisierung und den Körpermärkten findet erst im endgültigen Körperverlust sein Ende. Die heutige und aufgrund der bisher ausgeführten Argumente zukünftig vermutlich noch steigende Bedeutung des körperlichen Aussehens korrespondiert mit der bereits beschriebenen neoklassischen Tradition, in der die publikumsträchtige Außenwelt ge-genüber der verdeckten und komplexen Innenwelt dominiert (Black-Box-Betrachtung, Vernachlässigung der seelischen Innenwelt zugunsten der rationellen Funktion des Menschen, Irrelevanz von vorgelagerten Produktentstehungsprozessen im Vergleich zu nachgelagerten marktlichen Tauschprozessen usw.).31 Dass in der (Post-) Moderne vor allem Bilder, das Visuelle und das Sehen immer wich-tiger geworden sind, gilt heute als weithin anerkannt.32 Aufbauend auf zivilisations-theoretischen und gesellschaftskritischen Überlegungen von Elias33 und Sennet34 kommt Borkenhagen zu der Ansicht, dass ausgehend vom Mittelalter immer größere Verflechtungen und steigende Kontakte unter den Menschen entstanden, wodurch für den Menschen das Bild, das sich andere von ihm machen, immer bedeutender wurde.35 Die Bedeutungszunahme des Fremdbildes, des eigenen Äußeren und der Außenwelt, die auch für die Neoklassik so charakteristisch ist, erfordert von den Menschen einer-seits eine verstärkte Kontrolle des eigenen Erscheinungsbildes und andererseits eine intensivere Affektkontrolle. Daher muss sich das individuelle Verhalten und Erschei-nungsbild immer stärker an den zivilisierten und kulturell dominierten Erwartungen der anderen Menschen ausrichten – und Forschungsstudien, die mit Gesichtsvarianten zum Zwecke der computergestützten Deduktion von Idealgesichtern spielen, befördern eine solche Entwicklung (wenn auch ungewollt). Dadurch steigt der kollektive Druck enorm an, ein vom kollektivierenden Mainstream-Publikum als „normal“ akzeptierte Rollen zu spielen, akzeptierte Körper und Gesichter zu zeigen und akzeptiertes Verhalten an den Tag zu legen. Intensivierte Selbstbeobachtung und zunehmende sozial konditio-nierte Selbstkorrekturen im Sinne der oben dargestellten Körpererhaltung, -ertüchti-gung, -manipulation und -korrektur in Verbindung mit Körperindustrialisierung und Körpermärkten sind die Folge, die ihrerseits wieder den Selbstbeobachtungs- und Selbstkorrekturtrieb anheizen. Sie setzen damit einen unaufhaltbaren zirkulären Prozess in Richtung „sozial akzeptierter Normalität des Körpers und des Verhaltens“ in Gang. Die derart geregelte „Normalität“ wird so normativ und endet in Konformität – und zwar nicht nur des Körperlichen, sondern auch des Geistigen. Weil sich aber die kör-perlichen Selbstkorrekturen auf der Grundlage von oberflächlicher Freiwilligkeit insze-nieren, erscheinen sie dem Menschen als Realisierung von eigenen Wahlmöglichkeiten und nicht als äußerer Fremdzwang, „. obwohl es sich de facto um die freiwillige Rea-lisierung normierter Verhaltenserwartungen, um die Stilisierung eines Fremdzwanges als Selbstzwang handelt. Das Konzept der Selbsttechnologisierung unterliegt einer eigenartigen Dialektik, die darin besteht, dass die an sich positive Idee der Selbstsorge der Individuen, durch die sie sich aus Fremdzwängen befreien könnten, zu einem nicht-reflektierten Selbstzwang gerät, in dem unkritisch Fremdzwänge verinnerlicht werden. Unterwerfende Außenlenkung erscheint so als selbstbestimmte Innenlenkung.“36 Dass diese Außenlenkung unter dem Deckmantel der Innenlenkung geschieht, ist am Ab-grund zur Neoklassik und unter dem Antrieb neoliberaler Leitkultur eine vielfach be-wusst angewandte und oftmals unbewusst wütende Subtil-Logik und sicherer Indikator für den zunehmenden UFO-Befall.
Anmerkungen

1 Vgl. z. B. Friedlein (1968), S. 52 u. S. 140 – 144; eine sehr umfangreiche Liste von Körpermetaphern
2 Im für die Neoklassik typischen „Tableau économique“ wird der Kreislauf in der Ökonomie in Ana- logie zum Blutkreislauf im menschlichen Körper interpretiert, vgl. Ötsch (1993), S. 6. 3 So z. B. die Erfahrung des Chefoperateurs Neuroth (2006), S. 1, der selbst an einer auf Schönheits- chirurgie spezialisierten Klinik tätig ist. 4 Vgl. dazu Caysa (2003), S. 8 f. 5 Kreisky (2003), S. 3. 6 vgl. Borkenhagen (2001b), S. 56 f.; während in den USA die American Society of Plastic Surgeons offizielle (registrierte) Zahlen vorlegt (und damit die Dunkelziffer zwangsläufig nicht erfasst), gibt es in Deutschland kein offizielles Register für schönheitschirurgische Eingriffe, weshalb es sich bei den Zahlen für Deutschland nur um Schätzungen handelt. Borkenhagen weist jedoch anhand einer Umfrage der Zeitschrift Der Spiegel und Studien in USA auf einen steigenden Trend zu Schönheitsoperationen hin, der sich immer häufiger auch auf Teenager bis zu einem Alter von 16 Jahren erstrecke. Das Markt-wachstum schätzt Borkenhagen auf rd. 10% jährlich. Zahlen und Fakten liefert auch die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. Danach führen alleine die Mitglieder der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (GÄCD) etwa 700.00 Eingriffe pro Jahr durch, wobei die rein ästhetischen Eingriffe etwa einen Anteil von 25% ausmachen. Die Steigerung der Schönheitsopera-tionen beziffert die GÄCD von 2003 auf 2004 mit 38%! Diese Steigerungsrate gilt für Frauen und Männer gleichermaßen, allerdings liegt der Anteil der Männer derzeit noch bei lediglich 13%. In diesem Zusammenhang wird jedoch darauf verwiesen, dass Männer auf diesem Gebiet mit einem time-lag von ca. 20 Jahren den Frauen folgen und eine Aufholjagd beginnt – auch eine Form der Gleichbe-rechtigung. So weist der Frühindikator „Zufriedenheit der Männer mit ihrem Aussehen“ auf einen bevorstehenden Männerboom in USA hin, der auch nach Europa ausstrahlt: 1972 waren es in den USA noch 85%, die mit ihrem Aussehen zufrieden waren, 2001 waren es nur noch 57%. 7 Vgl. Borkenhagen (2001a), S. 306. 8 Vgl. Neuroth (2006), S. 1. 9 Caysa (2003), S. 12 f. 10 Caysa (2003), S. 14 11 Vgl. Neuroth (2006), S. 1-2. 12 Die Fotos der idealen Gesichter beider Geschlechter und noch mehr Fotos, auch von unattraktiven Gesichtern sowie von Gesichtern der Bewerberinnen von Miss-Wahlen, die u. a. als Vergleichs-gesichter herangezogen wurden, gibt es unter www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_ii/ Psychologie/Psy_II /beautycheck/. 13 Die Forscher weisen in ihrem ersten Bericht im Jahr 2002 übrigens selbst auf die hohe Ähnlichkeit zwischen idealem Frauen- und Männergesicht hin. 14 Vgl. z. B. Gilman (2004). 15 Vgl. z. B. stellvertretend für eine ganze Flut an deutschen Publikationen zum Thema Anti-Aging Bonder (2005), Klentze (2004), Römmler u. Wolf (2002). 16 Vgl. z. B. Römmler (2006). 17 Vgl. z. B. die Liste vom Institut A3 unter www.institut-a3.de (The Art of Anti-Aging). 18 Er soll zwischen 20 und 25 liegen und ergibt sich, wenn man das Gewicht durch das Quadrat der 19 Vgl. Institut A3, www.institut-a3.de. 20 Vgl. dazu Schröder (2006). 21 Vgl. Borkenhagen (2001a) u. (2001b); Vogt (1994). 22 Neuroth (2006), S. 2. 23 Vgl. z. B. Caysa (2003), S. 6; Kreisky (2003), S. 7; Borkenhagen (2001b). 24 Freud (1960), S. 366. 25 Vgl. Ötsch (1993). 26 Ratzinger (2005), S. 33 und weiter auf S. 131: „Der Mensch wird gemacht, und was man machen 27 Vgl. Caysa (2003). 28 Vgl. Marcuse (1970). 29 Vgl. Caysa (2003). 30 Vgl. Kreisky (2003). 31 Vgl. dazu Kapitel II. 32 Vgl. z. B. Kleinspehn (1989), S. 13, zitiert nach Borkenhagen (o.J.b), der die zunehmende Bedeutung der Visualisierung auf den menschlichen Körper bezieht. Die Bilder von Gefangenen in Guantanamo sowie vor allem die Bilder von Häftlingen im irakischen Abu Graib zeigen eindrucksvoll, dass das Visuelle im Vergleich zum geschriebenen Text weit höheren pragmatischen Charakter hat (auch im Sinne des Erstmaligkeits-Bestätigungs-Modells, vgl. dazu Kapitel III). 33 Vgl. Elias (1986).
34 Vgl. Sennet (1995).
35 Vgl. Borkenhagen (2001b).
36 Caysa (2003), S. 9.
Literatur

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Borkenhagen, A. (2001a): Gemachte Körper. Körper- und Selbsterleben von Frauen, die sich zu einer
Schönheitsoperation entschieden haben, in: Psychother. Soz., 4. 306 – 315. Borkenhagen, A. (2001b): Gemachte Körper. Die Inszenierung des modernen Selbst mit dem Skalpell. Aspekte zur Schönheitschirurgie, in: Psychologie & Gesellschaftskritik, 25, S. 55 – 67. Caysa, V. (2003): Körperkult und Körperkapitalisierung – Von der biopolitischen Körpertechnologi- sierung zur selbsttechnologischen Körperindustrialisierung, in: Berliner Debatte Initial, S. 5 – 15. Elias, N. (1986): Über den Prozeß der Zivilisation, Frankfurt a. M. Freud, S. (1960): Das Unbewußte – Schriften zur Psychoanalyse, hrsg. v. A. Mitscherlich, Berlin. Friedlein, C. (1968): Philosophie – Lernbuch und Repetitorium, Hannover. Gilman, S. (2004): Nur ein kleiner Nosejob – Das ideale Gesicht: Der Kulturhistoriker Sander Gilman über ästhetische Chirurgie und Rassismus, schriftlich fixiertes Interview von S. Stadthaus für die Zeitschrift Freitag – Die Ost-West-Wochenzeitung. Klentze, M. (2004): Anti-Aging – Die Kraft der Sexualität, München. Kreisky, E. (2003): Neoliberale Körpergefühle: Vom neuen Staatskörper zu profitablen Körpermärkten, Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Brüche – Geschlecht – Gesellschaft: Leibes/Übungen“ des Gender Kollegs der Universität Wien. Marcuse, H. (1970): Der eindimensionale Mensch, Neuwied u. Berlin. Neuroth, A. (2006): Trends der Schönheitschirurgie, schriftlich fixiertes Interview von N. Hellmann für Ötsch, W. (1993): Die mechanistische Metapher in der Theoriengeschichte der Nationalökonomie, Arbeitspapier Nr. 9313, Institut für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität, Linz. Ratzinger, J. (2005): Werte in Zeiten des Umbruchs. Die Herausforderungen der Zukunft bestehen, Römmler, A. (2006): Anti-Aging – was ist das überhaupt?, schriftlich fixiertes Interview für Anti-Aging Römmler, A.; Wolf, A.S. (2002): Anti-Aging Sprechstunden – 1. Leitfaden für Einsteiger, Berlin. Schröder, J. (2006): Die Anti-Aging-Pille in Griffnähe?, Bericht, Universität Freiburg. Sennet, R. (1995): Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, Frankfurt a. M. Vogt, I. (1994): Grenzenlose Schönheit – Grenzenlose Köprer, in: Zeitschrift für Frauenforschung, S. 98

Source: http://www.ufo-falle.de/downloads/UFO-Koerper.pdf

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Há três anos, enquanto visitava Teerão, fui apresentado a um homem sem charme chamado Muhammad Ali Samadi que, disseram-me, me iria falar da peculiar leitura que a teocracia iraniana faz do judaísmo e do sionismo. O senhor Samadi dizia que o líder supremo do Irão, Ayatollah Ali Khamenei, não defendia o antisemitismo. Mas, momentos depois, usaria uma metáfora epidemiológica para explicar

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Masters of Science (Infectious Diseases) (Distinction) 2009 – 2012 University of London External System (London School of Hygiene & Tropical Medicine), UK Bachelor of Science (Pharmacy) (Honours) 2003 – 2007 National University of Singapore, SG Added Qualifications in Infectious Diseases 2012 Board Certified Pharmacotherapy Specialist 2011 Board of Pharmacy Spe

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